EZB-Referenzkurs

Kurz gesagt

Die Europäische Zentralbank stellt an jedem Bankarbeitstag gegen 16 Uhr mitteleuropäischer Zeit Referenzkurse für rund 30 Währungen fest. Grundlage ist eine Abstimmung mehrerer Zentralbanken gegen 14:15 Uhr. Diese Kurse sind ausdrücklich nur zur Information gedacht – handeln kann niemand zu ihnen. Sie sind aber der Maßstab, an dem sich Behörden, Gerichte, Buchhaltungen und auch unser Währungsrechner orientieren.

Wie der Kurs entsteht

Der Referenzkurs ist kein gehandelter Preis, sondern eine Feststellung. Die beteiligten Zentralbanken stimmen sich in einem Konzertationsverfahren über die aktuelle Marktlage ab und melden die Werte; die EZB veröffentlicht sie gesammelt am Nachmittag. Dadurch gibt es für jeden Tag genau einen offiziellen Wert je Währung – unabhängig davon, dass der Devisenmarkt rund um die Uhr weiterläuft.

Notiert wird immer aus Sicht des Euro: Wie viele Einheiten der fremden Währung bekommt man für einen Euro. Der Euro ist also stets die Basis, auch bei Währungen, die am Markt üblicherweise anders notiert werden.

An Feiertagen gibt es keinen Kurs. Das europäische Zahlungssystem TARGET ruht am 1. Januar, an Karfreitag und Ostermontag, am 1. Mai sowie am 25. und 26. Dezember. An diesen Tagen und an Wochenenden wird nichts festgestellt; wer dann einen Kurs braucht, nimmt den letzten verfügbaren. Genau so verfahren wir auch – nachzulesen unter Quellen und Methodik.

Wofür er gilt und wofür nicht

Er gilt als Maßstab. Drei Beispiele, die im Alltag vorkommen:

  • Transparenz bei Kartenzahlungen: Bei Zahlungen in einer anderen EU-Währung müssen die gesamten Umrechnungskosten als prozentualer Aufschlag auf den EZB-Referenzkurs angegeben werden. Er ist damit der gesetzliche Vergleichswert gegen Dynamic Currency Conversion.
  • Steuern und Zoll: Fremdwährungsbeträge werden für amtliche Zwecke zu festgestellten Kursen umgerechnet.
  • Bilanzierung: Unternehmen bewerten Fremdwährungspositionen zum Stichtagskurs.

Er gilt nicht als Angebot. Keine Bank und keine Wechselstube ist verpflichtet, zu diesem Kurs zu tauschen, und keine tut es. Was du bekommst, liegt darum herum – siehe Wechselkurs. Wer mit dem Referenzkurs in die Wechselstube geht und sich über die Differenz wundert, verwechselt einen Messwert mit einem Preis.

Welche Währungen dabei sind – und welche nicht

Die Liste umfasst die großen Handelswährungen, die Währungen der EU-Staaten außerhalb der Eurozone und eine Reihe weiterer Währungen aus Asien, Nord- und Südamerika sowie Ozeanien. Rund 30 Währungen also – bei Weitem nicht alle 160 der Welt.

Die Liste ändert sich. Währungen kommen hinzu, wenn der Handel es rechtfertigt, und fallen heraus, wenn ein Land den Euro einführt oder der Markt nicht mehr funktioniert. Der russische Rubel wird seit März 2022 nicht mehr festgestellt; die kroatische Kuna endete mit dem Euro-Beitritt 2023.

Für Währungen ohne Referenzkurs – und das sind die meisten – muss man auf andere Quellen ausweichen: die jeweilige Zentralbank, die oft selbst einen amtlichen Kurs veröffentlicht, oder Marktdaten. Bei Währungen mit Devisenkontrollen klafft zwischen amtlichem Kurs und Straßenkurs manchmal eine Lücke von mehreren Dutzend Prozent. Welcher Kurs für ein Reiseziel praktisch zählt, schreiben wir auf der jeweiligen Währungsseite dazu.

Verwandte Begriffe

Wechselkurs · Dynamic Currency Conversion · Leitzins