Kurz gesagt
„Der Leitzins“ ist eigentlich drei Zinssätze. Maßgeblich ist der Einlagesatz – was Banken bekommen, wenn sie Geld über Nacht bei der EZB parken. Er steuert faktisch das Zinsniveau im Euroraum. Seit dem 16. September 2026 liegen die drei Sätze bei 2,50 / 2,65 / 2,90 Prozent. Die nächste Zinsentscheidung fällt am 29. Oktober 2026.
Die drei Sätze
| Satz | Höhe | Was er bedeutet |
|---|---|---|
| Einlagefazilität | 2,50 % | Zins für Übernachteinlagen von Banken bei der EZB. Die Untergrenze des Geldmarkts und der eigentliche Steuerungszins. |
| Hauptrefinanzierungsgeschäfte | 2,65 % | Zins, zu dem Banken sich wöchentlich gegen Sicherheiten bei der EZB refinanzieren. Der historisch als „der“ Leitzins zitierte Satz. |
| Spitzenrefinanzierungsfazilität | 2,90 % | Zins für kurzfristige Notkredite über Nacht. Die Obergrenze des Geldmarkts. |
Die drei Sätze bilden einen Korridor: Keine Bank verleiht am Markt billiger, als sie bei der EZB bekäme, und keine zahlt mehr, als die EZB verlangt. Der Abstand zwischen Einlagesatz und Hauptrefinanzierungssatz beträgt seit 2024 nur noch 15 Basispunkte – ein schmaler Korridor hält den Geldmarktzins dicht am Einlagesatz.
Ein Basispunkt ist ein Hundertstel Prozentpunkt. Eine Erhöhung um 25 Basispunkte sind also 0,25 Prozentpunkte – der übliche Schritt.
Wie der Zins bei dir ankommt
Schnell: Tagesgeld und Geldmarktprodukte. Banken folgen Senkungen hier fast sofort, Erhöhungen auffällig zögerlicher – das ist kein Zufall, sondern Geschäftsmodell. Dispozinsen reagieren ebenfalls schnell, und zwar nach oben.
Mittel: Festgeld und neue Kredite. Hier zählt weniger der aktuelle Leitzins als die Erwartung, wo er in einigen Jahren steht. Deshalb können Festgeldzinsen fallen, obwohl die EZB gerade erhöht hat.
Langsam: Baufinanzierungen. Sie hängen an langfristigen Kapitalmarktzinsen, nicht am Leitzins. Eine Leitzinssenkung macht eine Hypothek nicht automatisch billiger.
Indirekt: der Wechselkurs. Höhere Zinsen im Euroraum machen Euroanlagen attraktiver, Kapital fließt zu, der Euro steigt tendenziell. Importe werden billiger, was wiederum die Inflation dämpft.
Die Gesamtwirkung auf die Preise braucht Zeit. Zentralbanken rechnen mit vier bis sechs Quartalen, bis eine Zinsänderung in der Inflationsrate ankommt. Deshalb entscheidet die EZB nicht über die heutige Inflation, sondern über die in anderthalb Jahren erwartete – und deshalb wirken Entscheidungen im Rückblick manchmal unpassend zur Lage.
Wie entschieden wird
Der EZB-Rat tagt alle sechs bis sieben Wochen zu geldpolitischen Fragen. Ihm gehören die sechs Mitglieder des Direktoriums und die Präsidenten der nationalen Zentralbanken der Euro-Staaten an – für Deutschland der Präsident der Bundesbank. Nach der Sitzung folgt am frühen Nachmittag die Mitteilung, danach die Pressekonferenz, auf der die Begründung meist mehr Marktbewegung auslöst als der Beschluss selbst.
Beschlüsse treten nicht sofort in Kraft, sondern zum Beginn der nächsten Mindestreserve-Erfüllungsperiode – daher die Lücke zwischen Entscheidungstag und Wirksamkeit, im September 2026 sechs Tage.
Die Termine stehen Jahre im Voraus fest. Nach dem 29. Oktober 2026 folgt die Sitzung am 17. Dezember 2026. Was dort entschieden wird, berichten wir im Cluster News aus der Finanzwelt.