Tagesgeld

Kurz gesagt

Tagesgeld ist ein täglich verfügbares Guthaben mit variablem Zins: keine Laufzeit, keine Kündigungsfrist, aber auch keine Zinsgarantie – die Bank kann den Satz jederzeit ändern. Es ist bis 100.000 Euro von der Einlagensicherung gedeckt. Der richtige Platz für die Notreserve. Nicht der richtige Platz, um Vermögen aufzubauen: Bei 3,3 Prozent Inflation ist der Realzins derzeit negativ.

Wie es funktioniert

Das Tagesgeldkonto ist ein reines Anlagekonto. Es nimmt keine Lastschriften an, hat keine Karte und ist in der Regel über ein Referenzkonto gebunden – Geld fließt nur zwischen diesen beiden Konten. Genau diese Einschränkung ist ein Vorteil: Was nicht direkt ausgegeben werden kann, bleibt eher liegen.

Die Zinsen werden je nach Anbieter monatlich, vierteljährlich oder jährlich gutgeschrieben und dann mitverzinst – siehe Zinseszins. Bei gleichem Nominalzins ist monatliche Gutschrift geringfügig besser.

Variabel heißt wirklich variabel. Es gibt keine Bindung und keine Vorankündigungsfrist für Zinssenkungen. Folgt die EZB mit dem Leitzins nach unten, sind Tagesgeldzinsen oft innerhalb von Tagen angepasst; nach oben dauert es erfahrungsgemäß länger.

Der Lockzins und wie man ihn liest

Die höchsten Zinsen in Vergleichsrechnern sind fast immer Neukundenangebote, befristet auf drei, sechs oder zwölf Monate und oft bis zu einem Höchstbetrag. Danach fällt der Satz auf den Bestandskundenzins, der deutlich niedriger liegen kann.

Die drei Fragen, die ein Angebot entschlüsseln:

  • Wie lange gilt der Zins, und wie hoch ist er danach?
  • Bis zu welchem Betrag gilt er? Oberhalb der Grenze wird häufig gar nichts oder sehr wenig verzinst.
  • Wer gilt als Neukunde, und ist ein weiteres Produkt Bedingung – etwa ein Depot oder ein Girokonto mit Mindestumsatz?

Wer die Angebote konsequent wechselt, holt den Unterschied heraus; das kostet pro Wechsel etwas Zeit und einen neuen Legitimationsvorgang. Wer nicht wechseln will, rechnet besser mit dem Bestandszins und ignoriert die Werbezahl.

Wofür es gedacht ist

Die Notreserve. Üblich sind drei bis sechs Monatsausgaben, verfügbar ohne Kursrisiko und ohne Frist. Genau dafür ist Tagesgeld gebaut, und kein anderes Produkt macht es besser.

Geparktes Geld mit Termin. Die Steuernachzahlung im Frühjahr, die Kaution, die Anzahlung. Festlegen wäre falsch, liegen lassen auf dem Girokonto bringt nichts.

Nicht geeignet ist Tagesgeld für langfristigen Vermögensaufbau. Bei negativem Realzins verliert auch ein verzinstes Guthaben Kaufkraft, nur langsamer als Bargeld. Was stattdessen passt, hängt von Horizont und Risikobereitschaft ab – dazu beraten wir nicht, siehe Redaktionsrichtlinien.

Worauf beim Anbieter zu achten ist

  • Welches Sicherungssystem? Bei Angeboten über Zinsplattformen sitzt die Bank häufig im EU-Ausland. Die 100.000 Euro gelten dort auch, zuständig ist aber der Fonds des Heimatlandes.
  • Eine Lizenz oder mehrere? Mehrere Marken unter einer Banklizenz teilen sich eine Deckungssumme.
  • Quellensteuer. Manche Länder behalten Steuer ein, die man sich mühsam erstatten lassen muss. Das frisst den Zinsvorteil schnell auf.
  • Zugang und Fristen. „Täglich verfügbar“ heißt nicht „sofort auf dem Girokonto“ – die Überweisung braucht ihre Zeit, bei ausländischen Instituten manchmal mehrere Tage. Für den echten Notfall gehört deshalb auch etwas Bargeld dazu.

Verwandte Begriffe

Festgeld · Realzins · Einlagensicherung