Realzins

Kurz gesagt

Der Realzins ist der Zins nach Abzug der Inflation. Er sagt, ob dein Geld an Kaufkraft gewinnt oder verliert – und nur das zählt. Beispiel mit den aktuellen Zahlen: 2,5 Prozent Tagesgeld bei 3,3 Prozent Inflation ergeben einen Realzins von etwa minus 0,8 Prozent. Die Zahl auf dem Auszug wächst, die Kaufkraft schrumpft.

Die Rechnung

Für den Alltag genügt die einfache Form:

Realzins ≈ Nominalzins − Inflationsrate

Exakt ist es eine Division, weil Zins und Preisanstieg aufeinander wirken:

Realzins = (1 + Nominalzins) ÷ (1 + Inflationsrate) − 1

Bei 2,5 Prozent Zins und 3,3 Prozent Inflation: 1,025 ÷ 1,033 − 1 = −0,77 Prozent. Die Näherung hätte minus 0,8 Prozent ergeben – bei kleinen Zahlen ist der Unterschied irrelevant, bei hohen Raten nicht. Bei 50 Prozent Zins und 60 Prozent Inflation liefert die Subtraktion minus 10 Prozent, die korrekte Rechnung minus 6,25 Prozent. Darum lohnt die Division bei Hochinflationswährungen wie der türkischen Lira.

Und noch ein Abzug fehlt. Zinserträge sind steuerpflichtig: 25 Prozent Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag, zusammen rund 26,4 Prozent, zuzüglich Kirchensteuer. Aus 2,5 Prozent brutto werden damit etwa 1,84 Prozent netto – und der Realzins nach Steuer liegt bei rund minus 1,4 Prozent. Der Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro je Person schützt die ersten Erträge; darüber greift der Abzug.

Warum das für Bargeld besonders gilt

Bargeld hat einen Nominalzins von null. Sein Realzins ist deshalb immer das Negativ der Inflationsrate – bei 3,3 Prozent verliert ein Bündel Scheine im Jahr etwa 3,2 Prozent an Kaufkraft, ohne dass irgendetwas passiert.

Das ist kein Argument gegen eine Bargeldreserve. Eine Reserve für Stromausfall, Kartenstörung oder Reise erfüllt einen Zweck, den kein Zins ersetzt, und sie soll nicht wachsen, sondern verfügbar sein. Es ist ein Argument gegen eine große Reserve: Jede Summe, die über den Zweck hinausgeht, zahlt die Inflation als stille Miete.

Wer gewinnt, wer verliert

Negativer Realzins – Zins unter Inflation, die Lage im Oktober 2026:

  • Sparer verlieren schleichend. Besonders die, die alles auf dem Girokonto halten, wo es gar keinen Zins gibt.
  • Schuldner gewinnen. Wer einen Kredit mit festem Zins bedient, zahlt mit Geld zurück, das real weniger wert ist. Bei Baufinanzierungen über Jahrzehnte ist dieser Effekt erheblich. Staaten profitieren nach demselben Mechanismus – die Entwertung von Schulden über negative Realzinsen wird in der Literatur als finanzielle Repression bezeichnet.

Positiver Realzins – Zins über Inflation: Sparen baut Kaufkraft auf, Kredite werden real teurer, Investitionen werden strenger geprüft. Zentralbanken steuern mit dem Leitzins genau in diesem Raum.

Was man daraus macht

Drei Konsequenzen, die sich aus der Rechnung ergeben und keine Anlageempfehlung sind:

  • Vergleiche Angebote nicht am Zins, sondern am Realzins. Ein Festgeld über fünf Jahre zu 2,8 Prozent ist nur dann gut, wenn die Inflation in diesen fünf Jahren darunter bleibt – und das weiß niemand.
  • Der Zinsvorteil hängt an der Laufzeit. Bei Festgeld ist der Nominalzins fest, die Inflation aber nicht. Lange Laufzeiten sind eine Wette auf fallende Inflation.
  • Steuern gehören in die Rechnung. Ein Realzins vor Steuer ist eine halbe Antwort.

Wir sind keine Anlageberater und geben keine Empfehlungen zu einzelnen Produkten. Wie wir Zahlen prüfen und was wir bewusst nicht tun, steht in unseren Redaktionsrichtlinien.

Verwandte Begriffe

Inflation · Zinseszins · Festgeld