Festgeld

Kurz gesagt

Beim Festgeld legst du einen Betrag für eine feste Laufzeit an und bekommst dafür einen für die ganze Zeit garantierten Zins. Der Preis dafür ist die Bindung: Vorzeitig ans Geld kommst du meist nicht, und wenn, dann gegen Zinsverlust. Geschützt bist du wie beim Tagesgeld über die Einlagensicherung bis 100.000 Euro. Das Standardwerkzeug gegen die Bindung heißt Zinstreppe.

Was festgeschrieben ist

Zwei Dinge: der Zinssatz und die Laufzeit. Üblich sind drei Monate bis zehn Jahre, am verbreitetsten ein bis drei Jahre. Innerhalb der Laufzeit ändert sich nichts – weder wenn die EZB den Leitzins senkt, was dann zu deinen Gunsten wirkt, noch wenn sie ihn erhöht, was dich dann ärgert.

Beim Zins gibt es einen Punkt, der Angebote unvergleichbar macht: die Zinszahlung. Wird jährlich ausgeschüttet oder erst am Ende? Und werden die Zinsen mitverzinst? Nur bei jährlicher Gutschrift auf das Festgeldkonto selbst wirkt der Zinseszins. Bei Auszahlung auf das Referenzkonto landen die Zinsen auf einem Konto, das wenig bringt. Zwei Angebote mit gleichem Nominalzins können sich über fünf Jahre deutlich unterscheiden.

Am Ende der Laufzeit: Achte auf die Prolongation. Manche Verträge verlängern sich automatisch zum dann gültigen Zins, wenn man nicht widerspricht – und der kann weit unter dem ursprünglichen liegen. Einen Kalendereintrag vier Wochen vor Ablauf ist die billigste Vorsorge, die es gibt.

Die Zinstreppe

Das Grundproblem jeder Laufzeitentscheidung: Lange Bindung gibt mehr Zins, nimmt aber Flexibilität – und niemand weiß, wo die Zinsen in drei Jahren stehen. Die Zinstreppe löst das, indem sie die Entscheidung aufteilt.

Statt 30.000 Euro auf drei Jahre anzulegen, legst du drei Mal 10.000 Euro an: auf ein, zwei und drei Jahre. Danach wird jedes fällige Festgeld wieder auf drei Jahre angelegt. Das Ergebnis nach dem Anlaufjahr:

  • Jedes Jahr wird ein Drittel frei – planbare Verfügbarkeit ohne vorzeitige Kündigung.
  • Du bekommst im Mittel den längeren Zins, weil nach dem Anlauf alles auf drei Jahre läuft.
  • Das Zinsänderungsrisiko verteilt sich. Du triffst nie zum schlechtesten Zeitpunkt die ganze Entscheidung.

Dasselbe funktioniert mit vier oder fünf Stufen und längeren Laufzeiten. Der Aufwand sind ein paar Termine im Kalender.

Wann die lange Laufzeit falsch ist

Ein hoher Zins über zehn Jahre ist nur dann gut, wenn die Inflation in diesen zehn Jahren darunter bleibt. Entscheidend ist der Realzins, und über zehn Jahre ist der eine Wette, nicht eine Rechnung. Bei 2,8 Prozent Festgeldzins und 3,3 Prozent Inflation verliert man Kaufkraft – garantiert, mit Vertrag.

Hinzu kommt die Zinsstruktur. Normalerweise bringen längere Laufzeiten mehr. Zeitweise ist es umgekehrt, weil der Markt sinkende Zinsen erwartet – dann zahlt man für die lange Bindung sogar einen Abschlag. In solchen Phasen ist die kurze Laufzeit in jeder Hinsicht besser.

Vorzeitig ans Geld

Grundsätzlich: nicht vorgesehen. Viele Anbieter lassen eine Auflösung in Härtefällen zu, berechnen dann aber Vorschusszinsen oder streichen den Zins ganz. Manche schließen jede vorzeitige Verfügung aus.

Die Konsequenz für die Planung: Erst die Notreserve, dann Festgeld. Wer gebundenes Geld auflösen muss, weil die Waschmaschine kaputt ist, hat die Reihenfolge falsch gewählt. Drei bis sechs Monatsausgaben auf Tagesgeld und etwas Bargeld zu Hause kosten ein paar Zehntel Zins und ersparen genau diesen Fall.

Anbieter im EU-Ausland

Zinsplattformen vermitteln Festgeld bei Banken in anderen EU-Staaten, oft mit höheren Sätzen. Drei Punkte vor der Entscheidung:

  • Einlagensicherung des Heimatlandes. 100.000 Euro gelten EU-weit, zuständig ist der Fonds im Sitzland der Bank. Im Schadensfall läuft die Abwicklung über eine ausländische Behörde.
  • Quellensteuer. Einige Staaten behalten Steuer ein. Die Erstattung ist Papierkram, manchmal mehrjährig – und sie kann den Zinsvorsprung aufzehren.
  • Steuererklärung. Ausländische Zinsen sind in Deutschland zu erklären; ein Freistellungsauftrag greift dort nicht.

Wir empfehlen keine einzelnen Banken oder Produkte. Was wir prüfen und was nicht, steht in unseren Quellen und Methodik.

Verwandte Begriffe

Tagesgeld · Zinseszins · Realzins