Kurz gesagt
Inflation ist der Anstieg des allgemeinen Preisniveaus. Gemessen wird sie als Veränderung des Verbraucherpreisindex gegenüber dem Vorjahresmonat. Die EZB strebt 2 Prozent auf mittlere Frist an. Im September 2026 lag die Rate in Deutschland nach vorläufiger Rechnung bei 3,3 Prozent. Für Bargeld und unverzinste Guthaben ist Inflation ein stiller Verlust: Der Betrag bleibt, die Kaufkraft sinkt.
Wie gemessen wird
Das Statistische Bundesamt beobachtet einen Warenkorb, der den Verbrauch eines Durchschnittshaushalts nachbildet: Lebensmittel, Wohnen, Energie, Verkehr, Freizeit, Dienstleistungen, insgesamt mehrere Hundert Güterarten. Jede Position wird mit ihrem Anteil an den Gesamtausgaben gewichtet – Miete zählt weit mehr als Kaffee. Daraus entsteht der Verbraucherpreisindex.
Die Inflationsrate ist dann nur noch die Veränderung dieses Index gegenüber demselben Monat im Vorjahr. Parallel berechnet Destatis den harmonisierten Index HVPI, der europaweit gleich gebaut ist – ihn verwendet die EZB für die Eurozone.
Zwei Kennzahlen, die regelmäßig verwechselt werden:
- Gesamtrate – alles inklusive, also mit Energie und Nahrungsmitteln. Schwankt stark, weil Öl- und Gaspreise springen.
- Kerninflation – ohne Energie und Nahrungsmittel. Träger, aber aussagekräftiger für die Frage, ob der Preisdruck im System steckt. Im September 2026 lag sie in Deutschland bei 2,4 Prozent, also deutlich unter der Gesamtrate.
Die erste Veröffentlichung am Monatsende ist vorläufig; endgültige Werte folgen etwa zwei Wochen später und weichen gelegentlich um ein Zehntel ab.
Warum sie sich anders anfühlt
Die gemessene Rate und die gefühlte Inflation gehen oft auseinander, und das hat nachvollziehbare Gründe. Der Warenkorb ist ein Durchschnitt – wer kein Auto hat, aber zur Miete wohnt, erlebt eine andere Teuerung als die Statistik ausweist. Dazu kommt, dass wir uns Preise merken, die wir häufig sehen: Brot, Butter, Kaffee, Tankstelle. Große, seltene Ausgaben fallen weniger auf, obwohl sie stärker gewichtet sind.
Der dritte Grund ist der Basiseffekt. Weil immer mit dem Vorjahresmonat verglichen wird, kann die Rate sinken, obwohl die Preise steigen – sie steigen dann nur langsamer als vor einem Jahr. Eine fallende Inflationsrate bedeutet nie fallende Preise. Dafür bräuchte es Deflation.
Was Inflation mit deinem Geld macht
Bei 3,3 Prozent Inflation verliert ein Betrag, der zinslos liegt, in einem Jahr rund 3,2 Prozent seiner Kaufkraft. Bei 1.000 Euro sind das etwa 32 Euro – ohne dass sich auf dem Auszug etwas ändert. Über zehn Jahre bei dieser Rate bleibt von 1.000 Euro die Kaufkraft von rund 720 Euro.
Deshalb ist die entscheidende Größe nicht der Zinssatz, sondern der Realzins – Zins minus Inflation. Ein Tagesgeld mit 2 Prozent bei 3,3 Prozent Inflation verliert real weiter, nur langsamer als das Sparbuch.
Für Bargeld im Tresor gilt dasselbe, verstärkt um den fehlenden Zins. Das ist kein Argument gegen eine Bargeldreserve – die hat andere Gründe, von Stromausfall bis Unabhängigkeit – wohl aber ein Argument gegen eine große.
Wer sie steuert
Die EZB hat ein Mandat: Preisstabilität, definiert als 2 Prozent auf mittlere Frist, symmetrisch. Symmetrisch heißt, dass Abweichungen nach unten so unerwünscht sind wie nach oben. Ihr wichtigstes Werkzeug ist der Leitzins: Höhere Zinsen verteuern Kredite, dämpfen Nachfrage und bremsen Preise – mit einer Verzögerung von vielen Monaten.
Wo Zentralbanken dieses Mandat nicht durchsetzen können oder dürfen, läuft es anders. Welche Folgen das für eine Währung hat, lässt sich an der türkischen Lira und am ägyptischen Pfund nachlesen.