Dispokredit

Kurz gesagt

Der Dispokredit ist eine Kreditlinie auf dem Girokonto, die du ohne Antrag nutzen kannst. Dafür zahlst du einen Zinssatz, der regelmäßig ein Vielfaches des Leitzinses beträgt – zweistellige Sätze sind verbreitet. Für wenige Tage ist er das richtige Werkzeug. Als Dauerzustand ist er das teuerste Darlehen, das man haben kann, und fast immer durch einen Ratenkredit ablösbar.

Drei Dinge, die verwechselt werden

Eingeräumte Überziehungsmöglichkeit – der eigentliche Dispokredit. Die Bank hat dir eine Linie zugesagt, meist zwei bis drei Netto-Monatseinkommen. Der Zinssatz steht im Vertrag und im Preis- und Leistungsverzeichnis.

Geduldete Überziehung – du gehst über die Linie hinaus, und die Bank lässt es durchlaufen. Hier gilt ein eigener, in der Regel noch höherer Satz, und sie darf die Zahlung auch einfach ablehnen. Verlassen kann man sich darauf nicht.

Rahmenkredit oder Abrufkredit – ein separates Konto mit einer Linie, oft deutlich günstiger als der Dispo, mit flexibler Rückzahlung. Nicht dasselbe, obwohl es sich ähnlich anfühlt.

Warum er so teuer ist

Die Bank muss jederzeit Liquidität für die gesamte zugesagte Linie vorhalten, ohne zu wissen, ob und wann du sie nutzt. Sie kann die Mittel nicht anlegen, hat keine Sicherheit und keine Tilgungsplanung. Dafür nimmt sie einen Risikoaufschlag – und sie weiß, dass die Alternative, ein Kredit mit Antrag und Unterlagen, für kleine Beträge keiner macht. Bequemlichkeit hat hier einen messbaren Preis.

Was man daraus mitnimmt: Die Höhe des Satzes folgt nur locker dem Leitzins. Sinkt der, sinken Dispozinsen erfahrungsgemäß langsamer, als sie bei Erhöhungen steigen. Vergleichen lohnt deshalb unabhängig von der Zinslage.

Was Banken müssen

  • Den Zinssatz zugänglich machen. Er muss leicht auffindbar sein – im Preis- und Leistungsverzeichnis und auf der Website, nicht erst auf Nachfrage.
  • Bei Dauernutzung beraten. Wer seinen Dispo über längere Zeit erheblich in Anspruch nimmt, hat Anspruch auf ein Beratungsangebot zu kostengünstigeren Alternativen. Das steht in § 504a Bürgerliches Gesetzbuch. Die Praxis ist unterschiedlich: Manche Institute laden ein, andere schicken einen Standardbrief. Man darf das Gespräch auch selbst verlangen.
  • Bei geduldeter Überziehung informieren. Über Kosten und Bedingungen muss aufgeklärt werden, bevor sie anfallen.

Was Banken nicht müssen: den Dispo gewähren. Eine Linie kann gekürzt oder gekündigt werden, und das passiert typischerweise genau dann, wenn Gehaltseingänge ausbleiben – also im ungünstigsten Moment. Ein Dispo ist keine Reserve, auf die man sich verlassen kann. Dafür ist Bargeld oder ein Tagesgeldkonto da.

Wie man ihn loswird

1. Den Betrag feststellen. Nicht den Saldo heute, sondern den dauerhaften Bodensatz – der Teil, der auch nach dem Gehaltseingang im Minus bleibt. Genau der kostet dauerhaft Zinsen.

2. Umschulden. Ein Ratenkredit über diesen Bodensatz ist in der Regel deutlich billiger und hat einen Tilgungsplan, der das Konto wirklich ausgleicht. Entscheidend beim Vergleich ist der effektive Jahreszins, nicht die Monatsrate, und ein Blick auf die Vorfälligkeitsregeln.

3. Die Linie senken. Nach der Umschuldung die Dispolinie auf einen kleinen Betrag kürzen lassen. Das klingt nach Verzicht und ist der wirksamste Schutz davor, dass derselbe Bodensatz in einem Jahr wieder da ist.

4. Puffer aufbauen. Ein Monatsgehalt auf einem separaten Konto ersetzt den Dispo für genau die Fälle, für die man ihn zu brauchen glaubt.

Wenn Schulden aus mehreren Quellen zusammenkommen und der Überblick fehlt, ist die Schuldnerberatung der richtige Adressat – sie ist bei anerkannten Stellen kostenlos. Wir sind keine Finanzberater und empfehlen keine Produkte; wie wir damit umgehen, steht in unseren Redaktionsrichtlinien.

Verwandte Begriffe

Girokonto · Leitzins · Zinseszins