Kurz gesagt
Der Kurs, den du in Nachrichten und Rechnern siehst, ist der Mittelkurs – die Mitte zwischen Kauf und Verkauf am Großhandelsmarkt. Bekommen wirst du ihn nie. Jede Wechselstube und jede Bank legt einen Spread darum: Sie kauft billiger und verkauft teurer. Bei Bargeld ist dieser Abstand am größten, weil Scheine gelagert, versichert und transportiert werden müssen.
Drei Kurse, die man unterscheiden muss
Mittelkurs (auch Interbankenkurs oder Marktkurs): der Preis, zu dem große Marktteilnehmer untereinander handeln. Referenzgröße, kein Angebot an Privatkunden. Unser Währungsrechner arbeitet mit dieser Größe, konkret mit dem EZB-Referenzkurs.
Ankaufskurs: zu diesem Kurs kauft die Bank dir die fremde Währung ab. Immer schlechter für dich als der Mittelkurs.
Verkaufskurs: zu diesem Kurs verkauft sie dir die fremde Währung. Ebenfalls schlechter.
Die Spanne dazwischen ist der Spread, und sie ist der eigentliche Preis des Tauschs – unabhängig davon, ob noch eine Gebühr obendrauf kommt. Ein Anbieter mit „0 Prozent Provision“ und fünf Prozent Spread ist teurer als einer mit zwei Euro Gebühr und einem halben Prozent Spread.
Sorten und Devisen
Im Bankgeschäft heißt Bargeld in fremder Währung Sorten, Buchgeld in fremder Währung Devisen. Der Unterschied ist nicht akademisch, sondern steht direkt im Preis: Sortenkurse sind deutlich schlechter als Devisenkurse.
Der Grund ist Logistik. Scheine müssen gedruckt, transportiert, gezählt, auf Echtheit geprüft, versichert und im Tresor gehalten werden, und bei exotischen Währungen bleibt die Bank am Ende auf Beständen sitzen, die sie nur mit Verlust zurückgeben kann. Deshalb gilt in der Praxis: Je seltener die Währung, desto breiter der Spread. Bei Dollar oder Franken sind die Abstände klein, bei weniger gehandelten Währungen können sie zweistellig werden.
Die praktische Folge für Reisen: Nicht zu Hause in großen Mengen tauschen, sondern am Ziel am Geldautomaten abheben – dort rechnet der Kartenanbieter nahe am Devisenkurs ab. Welche Ausnahmen es gibt, etwa Länder mit beschränkt konvertibler Währung oder schlechter Automatenabdeckung, steht auf den einzelnen Währungsseiten.
Wie Kurse gelesen werden
Die Schreibweise EUR/USD 1,08 heißt: Für einen Euro bekommt man 1,08 Dollar. Die erste Währung ist die Basis, die zweite der Preis. Steigt die Zahl, wird der Euro stärker – nicht der Dollar.
Verwirrend wird es, wenn Wechselstuben umgekehrt notieren, also wie viele Euro ein Dollar kostet. Die Gegenprobe ist einfach: Die beiden Zahlen müssen multipliziert ungefähr eins ergeben. Und bei Währungen mit vielen Nullen wird gern pro 100 oder pro 1.000 Einheiten notiert – ein Blick auf die Einheit vor dem Rechnen erspart den Faktor zehn.
Was Kurse bewegt
Kurzfristig: Erwartungen. Vor allem Erwartungen an Leitzinsen, denn Kapital fließt dorthin, wo es mehr Zins bringt. Dazu Inflationsdaten, Konjunkturzahlen und politische Risiken.
Langfristig: Kaufkraft. Wenn Preise in einem Land dauerhaft schneller steigen als im anderen, verliert seine Währung tendenziell an Wert. Das erklärt, warum Währungen mit hoher Inflation über Jahre fallen – nachzulesen etwa bei der türkischen Lira.
Nicht alle Kurse sind frei. Manche Währungen sind an den Dollar oder Euro gebunden, mit festem Kurs oder innerhalb eines Bandes; andere werden gestützt oder haben einen offiziellen und einen Schwarzmarktkurs. Welche Regelung gilt, ist für Reisende wichtiger als der Tageskurs, und sie steht bei jeder Währung auf ihrer eigenen Seite.