Kurz gesagt
Direktbanken haben 2025 erstmals einen Marktanteil von 24 Prozent erreicht und damit innerhalb von zwei Jahren um rund ein Drittel zugelegt. Bei ihnen ist das Konto für 49 Prozent der Kunden kostenlos, bei Sparkassen für 27 Prozent. Beim Tagesgeld ist der Abstand noch größer: Verbundinstitute zahlen im Schnitt rund 0,4 Prozent, überregionale Banken und Direktbanken rund 1,0 Prozent. Der Preis dafür ist alles, was einen Schalter braucht – vor allem Bargeld.
Was eine Direktbank ist – und was nicht
Eine Direktbank ist keine eigene Kategorie des Bankrechts. Die Bundesbank führt in ihrer Statistik keine Gruppe „Direktbanken“; sie stecken bei den Regionalbanken und sonstigen Kreditbanken oder gehören zu einem Großbankkonzern. Eine amtliche Zählung existiert nicht.
Was sie verbindet, ist das Geschäftsmodell: kein eigenes Filialnetz, Kommunikation über App, Website und Telefon, Legitimation per Video oder Post. Daraus folgen alle Vor- und Nachteile.
Davon zu unterscheiden sind Neobanken – Anbieter, die nur eine App betreiben und oft eine Lizenz aus einem anderen EU-Staat nutzen. Technisch ähnlich, aufsichtsrechtlich ein anderer Fall; dazu unten mehr.
Die Zahlen, die den Unterschied belegen
Marktanteil. Die Bundesbank fragt in ihrer Studie „Zahlungsverhalten in Deutschland“ nach der Hauptbankverbindung. Ergebnis der Erhebung Ende 2025: Sparkasse oder Landesbank 41 Prozent, Volksbank oder Raiffeisenbank 28 Prozent, Direktbank 24 Prozent, Bank der Cash Group 18 Prozent (Mehrfachnennungen möglich). Gegenüber 2023 haben die Direktbanken um etwa ein Drittel ihres Anteils zugelegt – der größte Sprung aller Gruppen.
Kontokosten. Kostenfrei ist das Hauptkonto bei 49 Prozent der Direktbankkunden und bei 27 Prozent der Sparkassenkunden. Über den gesamten Markt gerechnet kommt Stiftung Warentest auf knapp 130 Euro im Jahr für eine typische Nutzung; die bedingungslos kostenlosen Konten sind durchweg Online-Konten. Mehr zu den Preisen und dazu, was eine Bank überhaupt verlangen darf, steht in Girokonto-Gebühren.
Zinsen. Hier ist der Abstand am deutlichsten. Eine Auswertung von 693 Banken (Stand Juni 2026) ergab für Tagesgeld: Sparkassen und Volksbanken im Schnitt rund 0,4 Prozent, überregionale Banken und Direktbanken rund 1,0 Prozent. 81 Prozent der Sparkassen und 73 Prozent der Volksbanken zahlten maximal 0,5 Prozent. Zum Vergleich: Der Einlagesatz der EZB lag zu diesem Zeitpunkt bei 2,0 Prozent, heute bei 2,50 Prozent – siehe Leitzins.
Eine amtliche Aufschlüsselung nach Bankentyp gibt es nicht; die Zinsstatistik der Bundesbank weist nur Gesamtwerte aus. Die genannten Zahlen stammen aus einer Marktauswertung und sind entsprechend zu lesen. Die Richtung ist aber unstrittig und hat einen einfachen Grund: Ein Institut ohne Filialnetz hat niedrigere Kosten und muss um Einlagen über den Preis werben.
Was eine Direktbank nicht kann
Die Lücke ist fast immer dieselbe – Bargeld.
Einzahlen. Ohne Schalter gibt es keine Bareinzahlung. Manche Direktbanken lösen es über Partnernetze im Einzelhandel: Bei der ING lassen sich über die App 50 bis 999,99 Euro einzahlen, allerdings gegen 1,5 Prozent des Betrags. Wer regelmäßig Bargeld einzahlt – Selbstständige mit Bareinnahmen, Vereinskassierer, Vermieter mit Barmieten –, ist mit einer Direktbank schlecht beraten.
Münzgeld. Praktisch ausgeschlossen. Das trifft aber nicht nur Direktbanken: Nach Artikel 11 der Verordnung (EG) Nr. 974/98 ist niemand verpflichtet, „mehr als fünfzig Münzen bei einer einzelnen Zahlung anzunehmen“. Wohin man mit dem Sparschwein geht, behandeln wir in Münzen einzahlen.
Abheben funktioniert dagegen gut und oft besser als bei Filialbanken, weil viele Direktbanken kostenlose Abhebungen an allen Automaten eines internationalen Systems anbieten. Prüfen muss man es im Preis- und Leistungsverzeichnis, nicht in der Werbung.
Beratung. Telefon und Chat statt Gespräch. Für Kontoführung, Tagesgeld und Wertpapierdepot ist das kein Verlust. Bei Baufinanzierung, Erbfall, Vollmachten, Betreuung oder Firmenkonto fehlt der Ansprechpartner, der die Lage kennt – und das ist der Punkt, an dem viele wieder wechseln.
Legitimation. Für die Kontoeröffnung verlangt § 13 GwG entweder die „angemessene Prüfung des vor Ort vorgelegten Dokuments“ oder ein gleichwertig sicheres Verfahren. Für Direktbanken ist das das Video-Ident-Verfahren, geregelt im BaFin-Rundschreiben 3/2017 (GW): geschulte Mitarbeiter, Einwilligung zur Aufzeichnung, Ende-zu-Ende-verschlüsselte Videoverbindung, Prüfung der Sicherheitsmerkmale des Ausweises, TAN zum Abschluss. Funktioniert, braucht aber eine stabile Verbindung und gute Lichtverhältnisse.
Wer online überhaupt bankt
Die Entscheidung setzt voraus, dass man das Modell nutzen kann. Zwei amtliche Zahlen, unterschiedlich gemessen:
- Statistisches Bundesamt (Erhebungsjahr 2024): 67 Prozent der 16- bis 74-Jährigen nutzen Online-Banking, das sind 41,7 Millionen Menschen. 2014 waren es 49 Prozent. Nach Alter: 25- bis 34-Jährige 82 Prozent, 65- bis 74-Jährige 44 Prozent. Der EU-Durchschnitt liegt ebenfalls bei 67 Prozent, Dänemark bei 98 Prozent.
- Deutsche Bundesbank (Erhebung Ende 2025): 89 Prozent der Befragten ab 18 nutzen Onlinebanking. Erstmals nutzen mehr Menschen die Banking-App (62 Prozent) als die Website (61 Prozent); bei den über 65-Jährigen ist die Website weiter führend.
Die Differenz erklärt sich durch Grundgesamtheit und Methodik. Die amtliche Zahl ist die des Statistischen Bundesamts.
Der Punkt, der am meisten unterschätzt wird: die Einlagensicherung
Bei einer deutschen Direktbank mit BaFin-Lizenz greift die gesetzliche Einlagensicherung genauso wie bei der Sparkasse um die Ecke: 100.000 Euro pro Kunde und Institut, Auszahlung binnen sieben Arbeitstagen, zeitweise bis 500.000 Euro bei bestimmten Lebensereignissen. Insofern ist die Angst unbegründet.
Anders bei Instituten mit Lizenz aus einem anderen EWR-Staat. Dort gilt das Herkunftslandprinzip: Der Betrag ist überall derselbe, zuständig ist aber das Sicherungssystem des Sitzlands, und die Abwicklung läuft über eine ausländische Behörde. Dass das funktioniert, zeigt ein echter Fall: Als die niederländische Amsterdam Trade Bank im April 2022 ausfiel, aktivierte die niederländische Zentralbank das dortige System. Betroffen waren rund 23.000 private Kontoinhaber, davon fast 6.000 mit Wohnsitz in Deutschland; erstattet wurden rund 700 Millionen Euro, das Webportal war binnen zehn Arbeitstagen offen.
Zwei weitere Fallen, die mit dem Bankentyp zu tun haben:
- Mehrere Marken, eine Lizenz. Die 100.000 Euro gelten je Institut, nicht je Marke. Wer über zwei Angebote derselben Lizenz anlegt, hat nur eine Deckungssumme.
- Treuhandmodelle bei Zinsplattformen. Die BaFin weist ausdrücklich darauf hin, dass abweichende Schutzregeln gelten können, wenn Einlagen über ein Treuhandmodell angelegt werden. Vor dem Abschluss lohnt die Frage, wer formal Einleger ist.
Und der freiwillige Einlagensicherungsfonds der privaten Banken, der über die gesetzlichen 100.000 Euro hinausgeht, ist eben freiwillig – er begründet keinen durchsetzbaren Rechtsanspruch wie die gesetzliche Sicherung. Die Einzelheiten stehen unter Einlagensicherung.
Die ehrliche Entscheidungshilfe
Direktbank, wenn: du selten Bargeld einzahlst, dein Konto und deine Rücklage digital verwaltest, auf Zins schaust und keine Beratung willst. Dann sind ein paar Hundert Euro im Jahr Unterschied realistisch.
Filialbank, wenn: du Bargeld einzahlst, Münzgeld hast, einen festen Ansprechpartner brauchst, komplexe Vorhaben begleitet haben willst, oder jemanden im Haushalt hast, für den digitale Wege nicht funktionieren.
Beides, wenn: du den Weg gehen willst, den viele gehen – Girokonto bei der Filialbank für die Alltagslogistik, Tagesgeld und Depot bei der Direktbank für den Zins. Zwei Konten kosten wenig und sichern beide Seiten ab. Wie ein Wechsel abläuft und was er nicht kostet, steht in Bank gewechselt: Kontowechsel in 12 Tagen.
Wir empfehlen keine einzelnen Institute; was wir prüfen und was nicht, steht in unseren Redaktionsrichtlinien.
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Girokonto-Gebühren: Was Banken verlangen dürfen · Bank gewechselt: Kontowechsel in 12 Tagen · Münzen einzahlen: Wer nimmt sie noch und was kostet es
Quellen: Deutsche Bundesbank, „Zahlungsverhalten in Deutschland 2025“ (Juli 2026); Deutsche Bundesbank, Bankstellenstatistik 2025; Statistisches Bundesamt, Zahl der Woche Nr. 38/2025 (Erhebungsjahr 2024); MFI-Zinsstatistik (Berichtsmonat Juli 2026); Marktauswertung Tagesgeldzinsen von 693 Banken (Juni 2026, Sekundärquelle); Stiftung Warentest, Girokonten (August 2026); § 13 GwG; BaFin-Rundschreiben 3/2017 (GW); BaFin, Einlagensicherung; De Nederlandsche Bank, Mitteilungen zur Amsterdam Trade Bank (2022); Art. 11 VO (EG) Nr. 974/98.


