Kurz gesagt
Es gibt in Deutschland rund 48.000 Geldausgabeautomaten, und die günstigste Abhebung ist die im eigenen Verbund – Cash Group, CashPool, Sparkassen oder Volks- und Raiffeisenbanken. An fremden Automaten kostet es typischerweise 1,95 bis 6 Euro, und die Gebühr muss vor der Auszahlung am Bildschirm stehen; dann darfst du noch abbrechen. Der am stärksten gewachsene Weg ist der Supermarkt: 49 Prozent der Menschen nutzen ihn inzwischen. Weggefallen ist dagegen die Tankstelle.
Die vier Verbünde
Innerhalb des eigenen Verbunds ist das Abheben entgeltfrei. Das ist der größte Hebel überhaupt, und er kostet nichts außer der Information, zu welchem Verbund die eigene Bank gehört.
| Verbund | Mitglieder | Automaten |
|---|---|---|
| Sparkassen | alle Sparkassen (rotes S) | rund 22.000 |
| Volks- und Raiffeisenbanken | Genossenschaftsbanken | rund 15.500 |
| Cash Group | Deutsche Bank mit Norisbank, Commerzbank mit Comdirect, HypoVereinsbank, Postbank | rund 5.000 |
| CashPool | rund 32 Banken, u. a. Sparda-Banken, Targobank, Santander Consumer Bank, BBBank, Bank für Sozialwirtschaft, Oldenburgische Landesbank | rund 2.800 |
Die Zahlen zeigen das Kräfteverhältnis: Sparkassen und Genossenschaftsbanken betreiben rund drei Viertel aller Automaten in Deutschland. Wer viel unterwegs ist und auf Automaten angewiesen, hat mit einem Konto in diesen Verbünden die beste Abdeckung – bei einer Direktbank hängt es davon ab, welche Freiabhebungen die Karte mitbringt, siehe Direktbank oder Filialbank.
Viele Direktbanken geben Karten aus, mit denen an allen Automaten eines internationalen Kartensystems kostenlos abgehoben werden kann. Das steht aber im Preis- und Leistungsverzeichnis, nicht in der Werbung – und es ist regelmäßig auf eine Zahl von Abhebungen pro Monat begrenzt.
Was ein fremder Automat kostet
Üblich sind 1,95 bis 6 Euro pro Abhebung, an Cash-Group-Automaten für Fremdkunden typischerweise 1,95 bis 4,90 Euro. Eine systematische aktuelle Gesamterhebung gibt es nicht; die genannte Spanne stammt aus Marktbeobachtungen und ist entsprechend zu lesen.
Wichtiger als die Spanne ist die Regel dahinter: Die Gebühr muss vor der Auszahlung angezeigt werden. Das war ursprünglich eine Selbstverpflichtung der Kreditwirtschaft, wirksam ab Januar 2011 – heute steht es im Gesetz. § 675d Absatz 5 BGB formuliert es als Bedingung für den Anspruch: Der Zahler ist „nur dann verpflichtet, die Entgelte … zu entrichten, wenn deren volle Höhe vor der Auslösung des Zahlungsvorgangs bekannt gemacht wurde“.
Praktisch heißt das: Auf dem Bildschirm erscheint die Gebühr, und du kannst abbrechen, ohne etwas zu zahlen. Wird keine Gebühr angezeigt und später abgebucht, schuldest du sie nicht.
Und weil die Gebühr fast immer ein Festbetrag pro Vorgang ist, folgt daraus die wichtigste Verhaltensregel: einmal viel abheben statt viermal wenig. Vier Abhebungen à 50 Euro zu je 4 Euro kosten 16 Euro – das sind acht Prozent.
Der Supermarkt: der Weg, der groß geworden ist
Cashback an der Kasse ist von der Randnotiz zum Standardweg geworden. Der Umsatz lag 2024 bei 13,57 Milliarden Euro, nach 12,31 Milliarden im Jahr davor; für den Handel entstanden dabei Kosten von rund 19 Millionen Euro. Inzwischen nutzen 49 Prozent der Menschen in Deutschland diesen Weg – acht Prozentpunkte mehr als zwei Jahre zuvor.
Die rechtliche Grundlage ist eine Ausnahme im Aufsichtsrecht. § 2 Absatz 1 Nummer 4 ZAG nimmt von der Erlaubnispflicht aus: „Dienste, bei denen der Zahlungsempfänger dem Zahler Bargeld im Rahmen eines Zahlungsvorgangs aushändigt, nachdem ihn der Zahlungsdienstnutzer kurz vor der Ausführung eines Zahlungsvorgangs zum Erwerb von Waren oder Dienstleistungen ausdrücklich hierum gebeten hat.“
Entscheidend ist die Kopplung an einen Warenkauf. Daraus – und nicht aus einer eigenen Vorschrift – folgt der Mindesteinkaufswert. Die Konditionen in der Praxis:
- Höchstbetrag einheitlich 200 Euro pro Vorgang.
- Mindesteinkaufswert früher 20 Euro nach den Bedingungen der Kreditwirtschaft, heute deutlich gesunken – teils ab wenigen Euro; eine große Kette zahlt ab 10 Euro aus.
- Anbieter: Supermärkte, Discounter, Baumärkte und Drogerien; einzelne Ketten machen nicht mit.
- Kostenlos für den Kunden.
Bargeld per App, ohne Karte
Ein Weg, den viele nicht kennen: Bargeld an der Handelskasse über einen Code aus der Banking-App, ohne Automat und ohne Karte. Abgewickelt wird das über einen Dienstleister, der mit Handelsketten und Banken Verträge hat.
- Die ING bietet es über ihre App bei über 12.000 Einzelhandelspartnern: Auszahlung von 10 bis 300 Euro kostenlos, Einzahlung von 50 bis 999,99 Euro gegen 1,5 Prozent des Betrags.
- Die Postbank bietet einen Bargeld-Code bei über 12.500 Einzelhändlern, bis 1.000 Euro täglich.
- Von zwölf untersuchten Direkt- und Neobanken unterstützten acht einen solchen Dienst.
Für Direktbankkunden ist das der Ersatz für den fehlenden Schalter – besonders die Einzahlungsmöglichkeit, die es sonst nicht gibt.
Das Abheben per Smartphone am Automaten ist dagegen eine andere Sache und hat sich nicht durchgesetzt: Die Sparkassen haben es eingeführt, die Volksbanken es 2022 wieder gekündigt.
Am Schalter: erlaubt, aber oft kostenpflichtig
Hier wird eine verbreitete Annahme regelmäßig falsch wiedergegeben, deshalb deutlich: Der BGH hat Entgelte für Bar-Ein- und Barauszahlungen am Schalter nicht verboten, sondern erlaubt. Mit Urteil vom 18. Juni 2019 (XI ZR 768/17) stellte er fest, dass § 675f Absatz 5 BGB solche Entgelte deckt und die ältere Rechtsprechung verdrängt hat.
Die Grenzen bleiben: Es dürfen nur die tatsächlichen transaktionsbezogenen Kosten einfließen, keine Gemeinkosten, und es braucht eine angemessene Freipostenregelung. Eine Klausel, die jede Barauszahlung ohne Freiposten bepreist, ist unwirksam. Wie weit Banken bei Entgelten gehen dürfen, behandelt unser Artikel Girokonto-Gebühren.
Beim Basiskonto ist die Lage anders: § 38 ZKG schreibt Bareinzahlungen und Barauszahlungen zwingend vor, an Schaltern und Automaten im Europäischen Wirtschaftsraum, ohne mengenmäßige Beschränkung und im gleichen Umfang wie bei regulären Kunden.
Nur: Den Schalter nutzen immer weniger. Nach der Bundesbank-Studie lassen sich noch 15 Prozent der Befragten dort Bargeld auszahlen – 2023 waren es 29 Prozent.
Zwei Wege, die es nicht mehr gibt
Tankstellen. Die Kooperation der Cash-Group-Banken mit Shell endete am 30. Juni 2025. Betroffen waren rund 1.300 von etwa 2.000 Stationen, an denen vorher bis zu 1.000 Euro täglich ohne Einkauf abgehoben werden konnten. Jeder Ratgeber, der die Tankstelle noch als Weg nennt, ist veraltet.
Postfilialen werden weniger und können vielerorts kein Bargeld mehr auszahlen; die Postbank baut ihr Netz ab. Eine flächendeckende, verlässliche Aussage zum Stand 2026 konnten wir nicht belegen – hier hilft nur die Nachfrage vor Ort.
Eine Bargeldlieferung nach Hause als bundesweit verfügbares Angebot haben wir nicht gefunden.
Die Rangfolge, wenn es ums Geld geht
- Automat im eigenen Verbund – kostenlos.
- Cashback beim Einkauf – kostenlos, bis 200 Euro.
- App-Code an der Handelskasse – bei vielen Direktbanken kostenlos, auch für Einzahlungen.
- Fremder Bankautomat – 1,95 bis 6 Euro, einmal viel abheben.
- Freistehender Automat eines Nichtbank-Betreibers – am Flughafen, im Einkaufszentrum, an der Promenade. Durchweg die teuerste Variante, und dort kommt im Ausland noch die Umrechnung in Euro dazu.
Wie viele Automaten es überhaupt noch gibt und wie weit der Weg dorthin ist, steht in unserem Artikel Filialschließungen und Geldautomaten. Was im Ausland dazukommt, unter Geldautomatengebühr.
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Filialschließungen und Geldautomaten: Wo noch Bargeld rauskommt · Münzen einzahlen: Wer nimmt sie noch und was kostet es · Karte oder Bargeld im Urlaub: Land für Land
Quellen: § 675d Abs. 5 BGB; § 675f Abs. 5 BGB; § 2 Abs. 1 Nr. 4 ZAG; § 38 ZKG; BGH, Urteil vom 18.06.2019 — XI ZR 768/17; Deutsche Bundesbank, Zahlungsverkehrsstatistik (Stand 22.07.2026); Deutsche Bundesbank, „Zahlungsverhalten in Deutschland 2025“; EHI-Studie Zahlungssysteme im Einzelhandel 2025; Stiftung Warentest (Geldautomaten 2025, Bargeld im Handel 2025); Marktauswertungen zu Verbünden und Fremdgebühren (Sekundärquellen, Stand 2025).


