Filialschließungen und Geldautomaten: Wo noch Bargeld rauskommt

Kurz gesagt

Die Zahl der Bankfilialen in Deutschland ist 2025 um 1.071 auf 16.799 gefallen, die Zahl der Geldausgabeautomaten auf rund 48.000. Trotzdem ist der Zugang zu Bargeld statistisch gut: 95,3 Prozent der Bevölkerung erreichen eine Bezugsstelle innerhalb von fünf Kilometern. Das Gefühl sagt etwas anderes – der Anteil derer, die den Zugang als schwierig empfinden, hat sich binnen zwei Jahren mehr als verdoppelt.

Die Zahlen zum Filialnetz

Die Deutsche Bundesbank führt eine eigene Bankstellenstatistik, und sie ist die einzige belastbare Quelle für dieses Thema. Stand 31. Dezember 2025: 16.799 Zweigstellen, nach 17.870 ein Jahr zuvor. Das ist ein Minus von 6,0 Prozent in einem Jahr.

Wer abgebaut hat, ist dabei sehr unterschiedlich:

Gruppe Zweigstellen 2025 Veränderung
Sparkassen 6.671 −117
Kreditgenossenschaften 6.091 −159
Großbanken 1.429 −755
Regionalbanken und sonstige Kreditbanken 927 −16
Private Bausparkassen 707 −15
Landesbanken 139 +1
Quelle: Deutsche Bundesbank, Bankstellenstatistik 2025.

Der Abbau 2025 war also fast vollständig eine Sache der Großbanken. In der Fläche halten Sparkassen und Genossenschaftsbanken zusammen rund 12.800 Standorte – drei Viertel aller Filialen in Deutschland. Das ist die praktische Folge des Regionalprinzips, über das wir im Artikel zu den drei Säulen schreiben.

Im längeren Rückblick ist die Entwicklung drastisch: 2005 gab es 44.100 Zweigstellen, 2015 noch 34.045. Gegenüber 2005 ist also fast jede zweite Filiale verschwunden, gegenüber 2015 jede dritte.

Die Zahlen zu den Automaten

Die Bundesbank zählt in ihrer Zahlungsverkehrsstatistik zwei verschiedene Dinge, und sie werden oft verwechselt:

  • Geldausgabeautomaten: rund 48.055 im zweiten Halbjahr 2025, nach 52.042 im ersten Halbjahr 2023.
  • Bankautomaten insgesamt, also einschließlich Multifunktionsgeräte für Auszüge, Einzahlungen und Überweisungen: 70.739, nach 76.097.

Wer von „Geldautomaten“ spricht, meint die erste Zahl. Sie ist in zweieinhalb Jahren um knapp 4.000 Geräte gesunken, also um rund acht Prozent. Zum Vergleich die andere Richtung: Die Zahl der Kartenterminals im Handel ist im selben Zeitraum von 1,10 auf 1,33 Millionen gestiegen.

Wie weit der Weg wirklich ist

Hier liegt die interessanteste Erkenntnis, und sie widerspricht dem Bauchgefühl. Die Bundesbank hat die Standorte aller Bargeldbezugsstellen geografisch ausgewertet (Monatsbericht März 2025):

  • Durchschnittliche Entfernung zur nächsten Bezugsstelle: 1,4 Kilometer bundesweit – 1,1 Kilometer in Stadtregionen, 1,9 Kilometer auf dem Land.
  • 95,3 Prozent der Bevölkerung erreichen eine Bezugsstelle innerhalb von fünf Kilometern, 99,7 Prozent innerhalb von zehn Kilometern.
  • 95,7 Prozent – rund 80,7 Millionen Menschen – leben in einer Gemeinde mit mindestens einer Bezugsstelle. Rund 3,6 Millionen müssen dafür ihre Gemeinde verlassen.

Die Vorgängerbefragung hatte den Zeitaufwand erhoben: durchschnittlich neun Minuten pro Abhebung, 75 Prozent brauchten maximal zehn Minuten.

Und doch: Der Anteil der Menschen, die den Zugang zu Bargeld als schwierig empfinden, ist von 6 Prozent im Jahr 2021 auf 15 Prozent im Jahr 2023 gestiegen. In der Erhebung 2025 sagen 29 Prozent, der Zugang zu Automaten sei in den letzten zwei Jahren schwieriger geworden.

Beides stimmt. Die Statistik mittelt über die Bevölkerung, und die lebt überwiegend in Städten – dort ist die Versorgung gut. Wer im ländlichen Raum wohnt, nicht mobil ist oder auf den Schalter angewiesen war, erlebt die Entwicklung unmittelbar. Ein Durchschnitt von 1,4 Kilometern hilft niemandem, dessen Filiale gerade zugemacht hat.

Der Schalter verschwindet schneller als der Automat

Die Bundesbank-Studie „Zahlungsverhalten in Deutschland 2025“ zeigt, wie sich das Verhalten verschoben hat: Nur noch 15 Prozent der Befragten lassen sich Bargeld am Bankschalter auszahlen – 2023 waren es noch 29 Prozent. 95 Prozent nutzen den Geldautomaten und holen dort etwa vier Fünftel ihres Jahresbedarfs. Und 49 Prozent nutzen inzwischen die Supermarktkasse, acht Prozentpunkte mehr als zwei Jahre zuvor.

Diese dritte Zahl ist die eigentliche Verschiebung. Cashback im Einzelhandel ist von einer Randerscheinung zum Standardweg geworden: Der Umsatz lag 2024 bei 13,57 Milliarden Euro, nach 12,31 Milliarden im Jahr davor. Rechtlich möglich ist das, weil das Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz die Bargeldausgabe an der Kasse von der Erlaubnispflicht ausnimmt – Voraussetzung ist aber, dass sie an einen Warenkauf gekoppelt ist. Daraus folgt der Mindesteinkaufswert, nicht aus einer eigenen Vorschrift. Üblich sind heute niedrige Schwellen und einheitlich 200 Euro Höchstauszahlung pro Vorgang.

Einen Weg gibt es seit Mitte 2025 nicht mehr: Bargeld an der Tankstelle. Die Kooperation der Cash-Group-Banken mit Shell endete zum 30. Juni 2025; betroffen waren rund 1.300 Stationen, an denen zuvor bis zu 1.000 Euro täglich abgehoben werden konnten. Ratgeber, die diesen Weg noch nennen, sind veraltet. Welche Wege bleiben, steht in unserem Artikel Geld abheben in Deutschland.

Warum Automaten auch gesprengt werden

Ein Teil des Rückgangs hat mit Sicherheit zu tun. Die Fallzahlen nach den Lagebildern des Bundeskriminalamts und Antworten der Bundesregierung:

Jahr Angriffe Beuteschaden
2020 414 —
2021 392 —
2022 496 rund 29,9 Mio. €
2023 461 rund 28,3 Mio. €
2024 269 rund 13,4 Mio. €
2024: 144 vollendete und 125 versuchte Taten. Von 103 ermittelten Tatverdächtigen hatten 78 ihren Lebensmittelpunkt außerhalb Deutschlands. Die Zahlen für 2025 lagen im Mai 2026 noch nicht abschließend vor.

Der Einbruch von 461 auf 269 Fälle ist deutlich. Dazu beigetragen haben Schutzmaßnahmen der Institute – genannt werden Nachtverschluss, Einbruchmelde- und Videoanlagen, Einfärbesysteme, geringere Bargeldbestände und sorgfältige Standortwahl – und seit dem 15. Januar 2026 ein verschärftes Strafrecht: Geldautomatensprengungen sind ausdrücklich in § 308 StGB erfasst, mit einer Mindeststrafe von zwei und einer Höchststrafe von fünfzehn Jahren.

Für die Versorgung hat das eine unangenehme Nebenfolge: Jeder Automat, der aus Sicherheitsgründen nachts abgeschaltet oder ganz abgebaut wird, fehlt tagsüber nicht in der Statistik, aber nachts im Dorf.

Was man daraus mitnehmen kann

  • Vor dem Kontowechsel das Automatennetz prüfen, nicht die Filialdichte. Die Filiale braucht man selten, den Automaten regelmäßig. Welche Verbünde es gibt, steht unter Geldautomatengebühr.
  • Cashback mitdenken. Wer ohnehin einkauft, braucht für 100 oder 200 Euro keinen Automaten.
  • Eine Reserve zu Hause erspart den Weg – und hilft bei Störungen. Wie groß sie sinnvollerweise ist, behandeln wir in Bargeldreserve zu Hause.
  • Wenn die letzte Bezugsstelle im Ort schließt, ist der Gemeinderat der richtige Adressat. Mehrere Kommunen haben mit den Instituten Lösungen verhandelt, von mobilen Filialen bis zu Automaten im Rathaus.

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Geld abheben in Deutschland: Alle Wege im Vergleich · Bargeldreserve zu Hause: Wie viel, wo, versichert? · Banken in Deutschland: Die drei Säulen erklärt

Quellen: Deutsche Bundesbank, Bankstellenstatistik 2025; Deutsche Bundesbank, Zahlungsverkehrsstatistik (Stand 22.07.2026); Deutsche Bundesbank, Monatsbericht März 2025, „Zugang zu Bargeld in Deutschland“; Deutsche Bundesbank, „Zahlungsverhalten in Deutschland 2025“ (Juli 2026); Antworten der Bundesregierung, BT-Drs. 21/232 und 21/5902; EHI-Studie Zahlungssysteme im Einzelhandel 2025; § 2 Abs. 1 Nr. 4 ZAG.

Thomas Petzold

Herausgeber

Thomas Petzold ist Herausgeber von Bargeld.net und betreibt seit Jahren deutschsprachige Informationsportale. Für die Inhalte dieser Seite trägt er die redaktionelle Verantwortung nach dem Medienstaatsvertrag. Schwerpunkt seiner Arbeit ist es, Regeln und Zahlen so aufzubereiten, dass Leserinnen und Leser sie selbst nachprüfen können.